Überlebensstrategien auf kubanisch

Inventar la vida – auf Kuba erfinden sich die Menschen ihr Leben jeden Tag neu

Der Text ist von 1998. An dem unzureichenden Gehalt hat sich nichts geändert, der kubanische Erfindungsreichtum im Nebenverdienst ist nach wie vor gefragt. Heute sind einige der beschriebenen Jobs als ‚Selbständige‘, sogenannte ‚Cuenta Propistas‘ offiziell möglich.

Ein bisschen erschöpft sieht er aus. Schließlich arbeitet Roberto jeden Tag von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr im Innenministerium und erstellt Fahrpläne und Routen für Regierungsmitglieder. Nachts sitzt er im Taxi und kämpft dafür, dass das Geld, das er tagsüber nicht verdient, reinkommt. Sein staatliches Gehalt beträgt 10 Dollar, doch das reicht hinten und vorne nicht. Nach der Arbeit geht er nach Hause, isst mit seiner Frau zu Abend und steigt dann um 20.00 Uhr in seinen Lada, um bis nach Mitternacht Taxi zu fahren. So sitzt er vier bis fünf Nächte die Woche in seinem beigen Lada, fährt durch die Straßen von Havanna und raunt den Leuten „Taxi, Taxi“ zu. Am liebsten fährt er Ausländer, nur das lohnt sich wirklich. Natürlich ist der Job illegal: sein Wagen ist nicht als Taxi gekennzeichnet, die Kunden schwierig zu finden und sein Job gefährlich. Denn wenn er erwischt wird, kostet ihn das Minimum 150 Dollar Strafe. Aber egal, das Taxifahren sichert sein Leben und bringt ihm 80 bis 100 Dollar zusätzlich im Monat.

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Auferstanden aus Ruinen

Das klassische Ballett Pro Danza in Havanna hat kaum Mittel, dafür Erfolg – aus dem Jahr 1999

Ihre Eleganz ist bestechend, ihre Geschmeidigkeit verblüffend und ihr Lächeln unverkrampft und natürlich. Lisbeth, Mitglied und Solotänzerin in der Kompanie Pro Danza von Laura Alonso in Havanna, verzaubert ihr Publikum, wenn sie sich mit grazilen Sprüngen über das Parkett bewegt. Ihr Haar ist mit bunten Spangen zu einem Dutt zusammengefasst. Ihr dunkler Teint hebt sich ab von dem hellen Kostüm, das sie trägt. Lisbeth vereinigt die reizvollen Attribute im klassischen Ballett, die kubanische Tänzer im Ausland so beliebt machen. „Sie haben die Fröhlichkeit der Kubaner auf der einen und die Perfektion der Russen auf der anderen Seite“, beschreibt Radel, ihr Ehemann und ebenfalls Tänzer in der Kompanie die Kombination aus Leichtigkeit und Disziplin. Dabei sind die Bedingungen, unter denen sie arbeiten, alles andere als optimal: die Ballettschuhe sind zerlöchert, die Kleidung verschlissen, der Boden wackelig, die Räume zu klein, das Gehalt ein Witz – und trotzdem, sind sie mit vollem Herzen dabei. Ihre größte Hoffnung ist es, für eine Zeit ein Engagement im Ausland zu bekommen.

Lisbeth, Pro Danza 1999, Foto dsp

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„So sehe ich Cuba“

Impressionen der neunjährigen Joana – aus dem Jahr 1998

Zwillingsschwestern

Mein Name ist Joana. Ich bin neun Jahre alt. Ich lebe zusammen mit meiner Mutter, ihrer Zwillingsschwester Barbara und der Tochter von Barbi, Shamira, meiner Cousine in einem kleinen Häuschen in Havanna. Havanna ist die Hauptstadt von Kuba, einer Insel mitten in der Karibik. Kuba ist die größte der Antillen und liegt nahe am amerikanischen Festland. Die ungezählten anderen und teilweise klitzekleinen Inselchen erstrecken sich ostwärts von Kuba.

Wir leben in der Hauptstadt Havanna, einer wunderschönen Stadt, die wegen ihrer alten und wertvollen Bauwerke und Architektur sogar zum Weltkulturerbe erklärt wurde, einer ganz besonderen Auszeichnung. Aber das schönste an Havanna ist, dass es am Meer liegt. Die Stadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin, hat 2 Mio. Einwohner. Insgesamt leben 11 Mio. Menschen auf Kuba. Wir sprechen alle spanisch, weil wir vor 500 Jahren durch Christopher Columbus entdeckt und durch die Spanier erobert worden sind.

Das wirklich spezielle an diesem Land ist, dass wir alle eine verschiedene Hautfarbe haben. Mein Vater zum Beispiel ist weiß, er ist Spanier. Meine Mutter ist – wie Ihr seht – sehr schwarz. Ich bin ein bisschen heller als sie. Auch in meiner Klasse gibt es von schwarz bis weiß alle Hautfarben. Das ist ganz normal auf Kuba. „„So sehe ich Cuba““ weiterlesen