„So sehe ich Cuba“

Impressionen der neunjährigen Joana – aus dem Jahr 1998

Zwillingsschwestern

Mein Name ist Joana. Ich bin neun Jahre alt. Ich lebe zusammen mit meiner Mutter, ihrer Zwillingsschwester Barbara und der Tochter von Barbi, Shamira, meiner Cousine in einem kleinen Häuschen in Havanna. Havanna ist die Hauptstadt von Kuba, einer Insel mitten in der Karibik. Kuba ist die größte der Antillen und liegt nahe am amerikanischen Festland. Die ungezählten anderen und teilweise klitzekleinen Inselchen erstrecken sich ostwärts von Kuba.

Wir leben in der Hauptstadt Havanna, einer wunderschönen Stadt, die wegen ihrer alten und wertvollen Bauwerke und Architektur sogar zum Weltkulturerbe erklärt wurde, einer ganz besonderen Auszeichnung. Aber das schönste an Havanna ist, dass es am Meer liegt. Die Stadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin, hat 2 Mio. Einwohner. Insgesamt leben 11 Mio. Menschen auf Kuba. Wir sprechen alle spanisch, weil wir vor 500 Jahren durch Christopher Columbus entdeckt und durch die Spanier erobert worden sind.

Das wirklich spezielle an diesem Land ist, dass wir alle eine verschiedene Hautfarbe haben. Mein Vater zum Beispiel ist weiß, er ist Spanier. Meine Mutter ist – wie Ihr seht – sehr schwarz. Ich bin ein bisschen heller als sie. Auch in meiner Klasse gibt es von schwarz bis weiß alle Hautfarben. Das ist ganz normal auf Kuba.

Ich bin Klassenbeste. Ich gehe sehr gerne zur Schule und am liebsten löse ich Matheaufgaben. Auch wenn wir ein sehr armes Land sind, gehen bei uns alle Kinder zur Schule und lernen lesen und schreiben. Wenn ich groß bin, möchte ich gerne Lehrerin werden. Wir haben zu Hause kein fließend Wasser. Bei uns gibt es jeden Abend Reis mit Bohnen und ab und zu auch mal Huhn. Manchmal kann mir meine Mutter noch nicht mal ein Schulheft oder einen Stift kaufen.

Gott sei Dank schickt mir mein Vater aus Spanien manchmal Schulsachen und Geld. Er hat mich für die Sommerferien nach Spanien zu seiner Familie eingeladen. Am liebsten würde ich jeden Tag am Malecon spazieren gehen können. Der Malecon ist unsere Uferpromenade, die auf der ganzen Welt bekannt ist.