Über das ‚Gleichsein’ in Kuba

Rezension über die Dissertation ‚Castros Erbe – 
Zur Praxis gleichheitsorientierter Politik im kubanischen Sozialismus‘
von Larissa Borkowski

Die Auswirkungen der gleichheitsorientierten Politik auf Kuba springen jedem politisch interessierten Besucher ins Auge. Auf der einen Seite sieht er die Überbleibsel von sechs Jahrzehnten Anstrengungen, dass alle Kubaner beispielsweise Zugang zu Gesundheit und Bildung haben, um hier die populären Beispiele zu nennen. Und auf der anderen Seite sieht der Betrachter, was passiert, wenn die Regierung an den staatlichen Lohnprinzipien festhält: Alle Staatsangestellten verdienen für heutige Verhältnisse viel zu wenig, um von ihrem Gehalt leben zu können. Das zumindest ist allen gleich, obwohl es hier auch Gehaltsunterschiede gibt, die aber bei den Tarifen fast keine Rolle mehr spielen. Obwohl sich die politischen Vorzeichen immer stärker wandeln, hält die kubanische Regierung fest an den Gleichheitsprinzipien, die sich in Teilen vehement in das Gegenteil der ursprünglichen Absicht zu verkehren scheinen.

„Castros Erbe“ ist eine Dissertation von Larissa Borkowski über die „Praxis gleichheitsorientierter Politik im kubanischen Sozialismus“, die 2016 an der Universität Regensburg angenommen wurde und im Nomos-Verlag im Frühjahr 2017 erschienen ist.

Anhand von Equality-Oriented Policicies, den sogenannten EOPs, analysiert Borkowski die gleichheitsorientierte Politik und ihre Auswirkungen in Kubas Sozialismus. Im Hintergrund steht die Frage: was sind die Vor-und Nachteile einer solchen Politik und was davon ist eventuell interessant für den deutschen Politikansatz? Was hat in Kuba funktioniert und wo sind die Kubaner mit der gleichheitsorientierten Politik gescheitert? Welches ist der „richtige Umgang mit Ungleichheit und Armut“ fragt sich Borkowski.

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Nach Stillstand kommt ‚Action‘

Ankündigungen zu Kuba-Themen

Jetzt sind drei Monate vergangen, in denen ich „Texte-zu-Cuba“ komplett habe schludern lassen.  Und dass obwohl es eigentlich viel zu sagen gegeben hätte. Hier der Versuch nachzuholen und anzukündigen:

Im Juli 2017 war ich mit einer deutschen Regierungsdelegation eine Woche in Havanna. Fotos dazu kann ich euch wegen der vielen Personen, die ich alle fragen müsste, leider nicht zeigen. Aber:

Unsere Stärke wurzelt in der Einheit. Haus in Havannas Stadtteil Vedado
Parfümerie 1791 in Habana Vieja

Diese beiden Fotos zeigen in meinen Augen perfekt das „neue“ und das „alte“ Kuba. Das „bewegliche“ und das „starre“ Kuba. Das „marktwirtschafliche“ und das „sozialistische“ Kuba. Die Gegensätze tun sich in Kuba in letzter Zeit immer stärker, immer öfter und immer eindeutiger auf. Die Parfümerie 1791 in der Altstadt von Havanna könnte auch ebenso in Rom oder Paris zu finden sein. Das Haus mit der Plakatierung nirgendwo anders als in Kuba. Die Insel ist überhäuft mit Revolutionsslogans – das macht sie auf jeden Fall sehr fotogen. Inwieweit die Parolen zum Durchhalten verhelfen, würde ich gerne einmal wissen…

Habana 1791: The perfume shop

Im Fernsehen:
Am 6. Oktober 2017 lief die Sendung ‚“Cuba Libre?“ – Eine Insel im Aufbruch‘  im WDR, in die ich zusammen mit dem Fotografen Tobias Hauser als ‚Expertin’ eingeladen war. Tatsächlich hatte mich die Redakteurin über diesen Blog gefunden. Die jeweils 3 – 4 Minuten langen Beiträge der Sendung sind sehr schön und informativ. Für alle diejenigen, die ein wenig mehr über Kuba wissen wollen, ohne bisher allzu tief eingestiegen zu sein, kann ich die Sendung auf jeden Fall empfehlen. Ebenso vorherige Sendungen über Kuba aus der Reihe ‚Planet Wissen.‘ https://www.planet-wissen.de/video-cuba-libre–eine-insel-im-aufbruch-100.html

Ende November nun war ich noch einmal beruflich in Kuba – diesmal in Sancti Spiritus, in einer kleinen Provinzhauptstadt im Herzen der Insel. Meine Eindrücke über den Wandel folgen. 

Und just beim Aufräumen meines Computers habe ich auch noch ein Filmchen gefunden – was jetzt, kaum 2 Jahre alt, schon wieder veraltet scheint. So rasant verändert sich Kuba an einigen Stellen. Kommt noch.

Anfang nächsten Jahres folgt die Rezension zu „Equalitiy“ Castros Erbe. Einer Dissertation ‚Zur Praxis gleichheitsorientierter Politik im kubanischen Sozialismus’ von Larissa Borkowski.