Der Lack ist ab – Wo bleiben Kubas Fort-Schritte

Kuba tritt ohne Not auf der Stelle. Mit ihren alten und neuen Schwachstellen ist die süße Sehnsuchtsinsel zu einem Ort geworden, der sich immer wieder gegen die wuselige Dynamik der eigenen Bevölkerung und die Freiraum fordernden Ideen zu stemmen scheint. Ein Ort wo Dynamik und Potential sicherheitshalber erst einmal ausgebremst werden. Ein Ort, an dem der Fortschritt eben keine Fahrt aufnimmt. Ein Land mit viel Potential, ohne viel Bewegung. Vielleicht war es schon immer so, nur ich hatte eine andere, eine dynamischere Sicht auf Kuba.

Natürlich gibt es viele sichtbare Veränderungen. Klar, die Altstadt von Havanna wird in großen Teilen immer properer, Eusebio Leal Spengler, Havannas Stadthistoriker versteht sein Handwerk. Immer mehr große Hotels werden gebaut. An der Infrastruktur für die unzähligen neuen Touristen aus aller Welt wird gebastelt. Der ein oder andere Markt eröffnet neu. Aber tiefergehende Veränderungen zum Wohle der Bevölkerung sucht man vergebens. Schon gar nicht in den unbeleuchteten Winkeln der Stadt und des Landes.

Was soll ich denken, wenn zum Beispiel ein Jahr nach dem ersten Besuch in einem Ministerium die Toilette gegenüber dem Konferenzraum immer noch kein Wasser hat. Hatte sie nicht letztes Jahr, hatte sie nicht dieses Jahr. Nicht die Toilette und nicht das Waschbecken. Im Prinzip lästig, aber ja nicht so schlimm, kennt man von Kuba, dass irgendwo Wasser fehlt. Augenzwinkern, geschenkt. Aber diesmal steht das fehlende Wasser für mich just an diesem Ort für Stillstand, aber auch für den wahrnehmbaren Mangel in jeder Hinsicht. 

Auch der Mangel an sich ist auf Kuba nichts Neues. Neu ist wahrscheinlich nur, dass ich nicht glauben kann, dass es trotz der vielen Änderungen und Ankündigungen und des großen Scheins kaum vorwärts geht. Die Lustlosigkeit und die Langeweile in den Gesichtern der Menschen scheint auszudrücken: ‚Anstrengung wird nicht belohnt’. Immer wieder treffen wir natürlich auch auf hoffnungsvoll viel Engagement –Quellen von blitzgescheiter Geisteskraft.

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„Cuba te complica la vida“

Sequenzen aus einer Unterhaltung mit Fernando 1998 – also mitten in der ‚Sonderperiode zu Friedenszeiten.

Fernando: Hiermit geht’s schon los: früher gab es nur russische Filme, heute nur amerikanische, kaum europäische. Frei nach dem Motto des in Kuba immer zutreffenden Spruchs: no llegamos o lo pasamos. Bedeutet: „Entweder kommen wir gar nicht erst an, oder wir brettern vorbei.“ Wir Kubaner kennen keine Ausgewogenheit. Ich nenne dir mal ein paar Beispiele, an denen du erkennen kannst, wie verrückt unser Land ist:

A) ABSURD: Was brauchst du als Kubaner, wenn du ausreisen, Kuba verlassen willst: Du wirst eingeladen. Der, der einlädt geht in seinem Heimatland zur kubanischen Botschaft und unterschreibt die formularähnliche Einladung. Er unterschreibt, dass er alle Reisekosten, Übernachtung sowie Krankenversicherung – einfach alle Kosten übernimmt. Der Brief geht über den diplomatischen Weg nach Kuba und wird dir per Post zugestellt.

Mit der Einladung plus der Bewilligung von deinem kubanischen Arbeitgeber (plus Geburtsurkunde) gehst du zur Immigrationsbehörde. Die prüft deinen Status, Militär, Gefängnis…., wenn alles o.k. ist kriegst du den Wisch nach Hause geschickt. Mit dem gehst du dann zur entsprechenden Botschaft des Gastlandes, um dir dort das Visum ausstellen zu lassen. „„Cuba te complica la vida““ weiterlesen