‚Die Entdeckung der Langsamkeit‘

Ein ganz normaler ‚Arbeitstag‘ in Kuba  –  aus dem Jahr 1999 

An diesem Tag steht nur ein Programmpunkt auf dem Tagesplan: Guillermo, den Lehrer für modernen Tanz im Großen Theater von Havanna zu treffen. Ein theoretisch einfaches Unterfangen, wären da nicht die vielen kleinen kuba-spezifischen Hindernisse. Mein Versuch am Vortag scheiterte an der internen Weihnachtsfeier. Betrachte es als Aufwärmtraining. Um 10.00 Uhr mache ich mich auf den Weg, genauer auf den Umweg. Die Straße, die auf direktem Weg in die Altstadt führt, ist gesperrt. Das ist sie zur Zeit täglich, nur normalerweise erst nachmittags. An diesem Morgen findet ein Protestmarsch hin zur amerikanischen Interessensvertretung statt, an dem 100 000 Kubaner die Rückkehr des sechsjährigen Jungen Elian fordern. Eine Variante der sogenannten Akts, bei der nachmittags auf einer Bühne vor der US-Interessensvertretung Kinder die Freiheit von Elian fordern und die kubanische Revolution besingen, und unzählige Redner in abgewandelten Worten immer das Gleiche proklamieren: die Freiheit von Elian. ER soll zurück in seine Heimat und zu seinem Vater. Der Junge hat im Gegensatz zu seiner Mutter, die Flucht in die USA überlebt und wird jetzt zum Spielball kubanischer und exilkubanischer Interessen.

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