Shoppen in Havanna

Das Video habe ich im Herbst 2015 aufgenommen und dann nie online gestellt. Über zwei Jahre später nun beweist es, wie schnell sich die Dinge in Kuba verändern. Denn mein Verweis darauf, dass Havanna nicht zum Klamotten-Shoppen verführt, weil es eben keine entsprechenden Geschäfte gibt, überholt sich gerade. Jetzt muss es heißen: inzwischen gibt es eine Menge Geschäfte, aber vor allen Dingen so etwas wie Luxusinseln. Einige perfekt sanierte Plätze in der Altstadt bieten Luxusboutiquen Raum, ebenso aber neue Hotels wie das Kempiniski am Rande der Altstadt, wo man genau ‚Gucci, Prada und Co’ kaufen kann. Jedes Mal entdeckt das geschulte Auge ein bisschen mehr Glemmer in Havanna. Absurd, weil der ‚Mittelbau’ fehlt. In einer Stadt, in der die meisten Menschen offiziell immer noch nur zwischen 20 und 60 CUC (Dollar) monatlich verdienen, gibt es Geschäfte, in denen günstigstenfalls Accessoires nur 60 CUC kosten.

Aber Kunst kaufen geht immer. Insgesamt hat das Thema Kunst auf Kuba aber einen eigenen Beitrag verdient. 

Und wenn der vorige Blogeintrag das Gleichsein in Kuba betrachtet, so ist sicher, dass wir hier ‚on the top auf ungleich’ gelandet sind. Denn Zugang zu solchen Artikeln haben Auslandskubaner oder Ausländer, aber sicher nicht der ‚normal’ verdienende Inselkubaner.

Ein kleiner Schwank: Als ich Ende der 90iger Jahre mehrere Monate auf Kuba lebte, wurde mir in einer Privatunterkunft mein schwarzes schlichtes Lieblingskleid aus dem Zimmer geangelt. Also musste ich mir ein neues Kleid zulegen. Ich ging in die typischen kubanischen Geschäfte, die ich sonst links liegen ließ und kaufte ein Kleid aus dem Stretchmaterial, das in Kuba seit Jahrzehnten en vogue ist und das Speckfalten nicht nur nicht verschweigt, sondern umgekehrt jede einzelne Wölbung hervorhebt. Wohl oder übel gewöhnte ich mich an mein neues Outfit. Dankbar war ich jedenfalls schnell, dass ich nicht mehr sofort als Ausländerin identifiziert wurde und somit auch aus dem Visier der Straßenverkäufer und Anquatscher geriet.

„Im Takt der Revolution“ in Mazorra

‚Un momentico’ in Mazorra – Impressionen von einem Filmdreh an einem ‚verrückten’ Ort

Im Dezember 1998 haben der Autor und Filmemacher Stefan Tolz und ich mehrere Tage für den MDR den Beitrag „Im Takt der Revolution“ über das größte Blasorchester Kubas gedreht.

Einen kleinen Moment bitte heißt es beim Pförtner. Un momentico. Eine Situation, die an sich nicht weiter ungewöhnlich ist. Schon gar nicht in Kuba. ‚Un momentico‘ ist hier das Codewort für eine unbestimmte Wartezeit. Mit Kamera und Stativ stehen wir in den Startlöchern. Keine 500 Meter entfernt ist der Drehort: dort spielt das größte Blasorchester Kubas mit den besten Musikern dieser Insel. Auch das ist nicht weiter ungewöhnlich, zumindest nicht in Havanna, denn das Orchester spielt hier seit 40 Jahren jeden Dienstag- und jeden Freitagmorgen. Einzig ungewöhnlich ist, dass dieses Orchester weder für ein erlauchtes, noch für ein zahlendes Publikum spielt, sondern für die psychisch Kranken der größten psychiatrischen Heilanstalt Kubas: Mazorra in Havanna.

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Das kleine Privatrestaurant ‚Fresa y Chocolate‘ in Havanna lädt zum Speisen im filmischen Ambiente

Ein Königreich für Erdbeeren und Schokolade

Der Artikel ist aus dem Jahr 1999, als das Restaurant vor allem bei Prominenten berühmt war. Heute ist es vergrößert – und eine Goldgrube, so dass der Eigentümer das Haus bzw. den alten Palast auf eigene Kosten renovieren lässt, um den Bewohnern in den vielen kleinen Wohnungen rechts und links des Weges in seine oberste Etage u.a. wieder  Flure zu bescheren, über die man bedenkenlos laufen kann, ohne Angst zu haben, eine Etage tiefer zu landen.

Auf diesem Stuhl hat sie gesessen, die Königin Sofia von Spanien. Jetzt hängt der Stuhl an der Wand, umrandet von einem gemalten Thron, der Abbildung des Thrones, der seit 200 Jahren in Havanna darauf wartet, dass sich ein spanischer König draufsetzt.

Königin Sofia eilte bei dem ersten Besuch des spanischen Königpaares auf Kuba nicht zum Treffen der Staatschefs, auch nicht zur spanischen Botschaft, sondern zu ihrem höchst privaten Vergnügen in das mittlerweile legendäre Restaurant ‚Fresa y Chocolate‘ (Erdbeere und Schokolade) in Havanna. Hier speiste sie, begleitet von der Gattin des spanischen Ministerpräsidenten José Maria Aznar, des mittags in dem sonnendurchfluteten Raum in erlauchter Gesellschaft. Von den Wänden grüßen Stars und Sternchen aus dem Filmbusiness wie Jack Nicholson, Pierre Richard, Jean Paul Belmondo und Pedro Almodóvar. In edlen Rahmen verewigt, zeugen sie und andere Prominente mehr von ihrem Besuch bei ‚Fresa y Chocolate‘ oder La Guarida, wie das Restaurant offiziell heißt.

Restaurant 'Fresa y Chocolate' 1999, Foto dsp

 

Die Straße der Eintracht ist weder edel, noch die Gegend touristisch. Zufällig landet man nicht an diesem Ort, in diesem Haus. Der Zustand des in den 30er Jahren erbauten Gebäudes ist leicht marode, mittelmäßig verkommen. Doch die alte Pracht des Hauses ist sicht- und spürbar. Das Restaurant liegt im dritten Stock. Vorher passiert man ein offenes Zwischengeschoss, einen luxuriösen Flur, der Nutzungsraum der Hausgemeinschaft ist und mittlerweile beliebter Drehort für Fotoshootings. Ein Relikt großbürgerlicher Bauweise. Hier hängen die weißen Tischdecken von ‚Fresa y Chocolate‘ zum Trocknen und wehen fotogen im Wind.

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